15.11.2018

Optimale Nutzung von Verlustverrechnungstöpfen bei Kapitalerträgen

In dem Artikel "Beteiligungs- und Darlehensverluste aus Anteilen an Kapitalgesellschaften im Privatvermögen" hatten wir die Möglichkeiten und Grenzen des Verlustausgleichs bei Einkünften aus Kapitalvermögen dargestellt. Kreditinstitute führen dazu jeweils getrennte Verrechnungstöpfe für Verluste aus Aktienveräußerungen sowie aus sonstigen Quellen. Bestehen Verlusttöpfe bei verschiedenen Kreditinstituten, ist eine konten- bzw. depotübergreifende Verlustverrechnung nicht nur im Rahmen der Einkommensteuererklärung möglich, sondern u.U. auch bankenübergreifend. Die hierzu erforderliche Verlustbescheinigung ist bis spätestens zum 15.12. eines Jahres zu beantragen. Nachfolgend geben wir einen Überblick zu Varianten der Verlustverrechnung.

Verlustverrechnungsalternativen innerhalb eines Jahres

Wenn im Laufe eines Kalenderjahres zunächst Verluste und später positive Kapitalerträge realisiert werden, sind die im Verlusttopf eingestellten Verluste mit den positiven Kapitalerträgen verrechnet. Wenn umgekehrt zuerst positive Kapitalerträge erzielt werden und die Bank den Steuerabzug vornimmt, ist die Bank verpflichtet, die bereits im Laufe des Jahres besteuerten Kapitalerträge mit späteren Verlusten zu verrechnen und die zu viel entrichtete Abgeltungssteuer zu erstatten.


Hinweis: Zu beachten ist, dass ein bereits berücksichtigter Freistellungsauftrag wieder in Kraft tritt, falls zunächst positive Kapitalerträge besteuert wurden und diese im Laufe des Jahres nachträglich mit Verlusten verrechnet werden. In einem solchen Fall wird der Freistellungsauftrag in Höhe des Verlustverrechnungsbetrags wirksam und kann wieder verwendet werden.

Ehegattenübergreifende Verlustverrechnung

Grundsätzlich können Ehegatten ihre Verluste ehegattenübergreifend, d.h. über alle bei einer Bank geführten Konten und Depots, verrechnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich hierbei um Einzelkonten/-depots oder um Gemeinschaftskonten/-depots handelt. Für eine ehegattenübergreifende Verlustverrechnung bedarf es eines gemeinsamen Freistellungsauftrags der Ehegatten. Haben die Ehegatten zunächst einzeln Freistellungsaufträge erteilt, kann die Erteilung eines gemeinsamen Freistellungsauftrags zu einer rückwirkenden Erstattung bereits im laufenden Jahr abgeführter Kapitalertragsteuer führen. Entsprechendes gilt für das Jahr der Eheschließung. Wurde hingegen weder ein einzelner noch ein gemeinsamer Freistellungsauftrag erteilt, können die Verluste mittels Verlustbescheinigung und unter Beachtung der Verlustverrechnungsbeschränkungen im Rahmen der Einkommensteuererklärung ehegattenübergreifend ausgeglichen werden.

Kreditinstitutsübergreifende Verlustverrechnung

Eine automatische bankenübergreifende Kompensation von Verlusten und Gewinnen aus Kapitalvermögen ist im Quellensteuerabzugssystem der Abgeltungssteuer grundsätzlich nicht vorgesehen, sondern muss im Veranlagungsverfahren geltend gemacht werden (s.u.). Eine Ausnahme besteht allerdings bei einer vollumfänglichen Depotübertragung. Hier kann der Steuerpflichtige auf Antrag bestehende Verluste mitübertragen. Damit im Falle einer Veräußerung der Gewinn bzw. Verlust zutreffend ermittelt wird, teilt das übertragende dem übernehmenden Kreditinstitut die entsprechenden Anschaffungsdaten mit.


Hinweis: Wird die Kundenbeziehung zu einem Kreditinstitut aufgegeben, ist bei gewünschter Depotübertragung ein entsprechender Antrag zu stellen. Andernfalls wird automatisch eine Verlustbescheinigung erteilt, so dass eine Verlustverrechnung nur noch im Rahmen der Einkommensteuerklärung möglich ist (s.u.).

Verlustverrechnung im Rahmen der Veranlagung

Ist eine Verlustverrechnung auf der Ebene des Kreditinstituts innerhalb der dort geführten Konten bzw. Depots nicht möglich und wurde eine Verlustbescheinigung ausgestellt, kann der Steuerpflichtige die Verrechnung von Verlusten aus anderen Einkunftsarten mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen unter Anwendung des persönlichen Steuersatzes (Günstigerprüfung) beantragen; er muss dann sämtliche Kapitalerträge erklären. Alternativ kann der Steuerpflichtige auch eine Steuerfestsetzung nach dem Abgeltungssteuertarif beantragen (Antragsveranlagung): Es bleibt dann der besondere Abgeltungssteuersatz i.H. von 25% zzgl. SolZ und ggf. KiSt bestehen. Der Antrag kann auf einen Teil der Kapitalerträge beschränkt werden; in diesem Fall werden nur die Konten bzw. Depots desselben Kreditinstituts erfasst. Der Antrag lohnt sich auch bei einem vorhandenen Verlustvortrag aus Kapitalvermögen auf Veranlagungsebene (§ 20 Abs. 6 EStG).

Gestaltung: Gewerbliche Umqualifizierung von Kapitaleinkünften für Zwecke der Verlustnutzung

Um die diversen Verlustverrechnungsbeschränkungen bei Einkünften aus Kapitalvermögen zu umgehen, kann es sich u.U. anbieten, z.B. Aktien aus dem Privatvermögen in das (gewillkürte gewerbliche) Betriebsvermögen einzulegen. Die Einlage erfolgt nach dem Gesetzeswortlaut zum Teilwert (Stichtagswert), höchstens jedoch mit den Anschaffungskosten. Bei Beteiligungen von mind. 1% sowie diesen gleichgestellten Forderungen sind davon abweichend stets die Anschaffungskosten ohne Möglichkeit zu einer Teilwertabschreibung anzusetzen, wie der BFH-Urteil schon vor längerem entschieden hatte (Urteil vom 2.9.2008, Az.: X R 48/02 – von der Finanzverwaltung akzeptiert in Gestalt von H 17 Abs. 8 EStR) – und jüngst auch noch einmal bekräftigte (Urteil vom 29.11.2017, Az.: X R 8/16). Die in der privaten Sphäre entstandenen Verluste werden allerdings erst bei Veräußerung der Anteile berücksichtigt.


Empfehlung: Für Anteile unterhalb der Beteiligungsschwelle von 1% ist die analoge Anwendung der erwähnten Rechtsprechung noch nicht endgültig geklärt. Zur Nutzung des entsprechenden Verlustpotenzials ist allerdings in Erwägung zu ziehen, unter Offenlegung des Vorgehens entsprechend eine Einlage zu Anschaffungskosten zu erklären.


Unabhängig von der Beteiligungsquote steht eine unmittelbar nach getätigter Einlage durchgeführte Veräußerung wertgeminderter Aktien unter dem Risiko, von Seiten der Finanzverwaltung steuerlich nicht akzeptiert zu werden. Im Übrigen sind die Veräußerungsverluste nach dem Teileinkünfteverfahren lediglich zu 60% abzugsfähig. Andererseits kann statt der erwähnten Beschränkungen im Privatvermögen eine Verlustverrechnung innerhalb der Einkünfte aus Gewerbebetrieb und/oder ggf. auch mit den anderen Einkunftsarten erreicht werden.


WP/StB Dr. Dietrich Jacobs / Tim Sporkmann

Aus: PKF Nachrichten 11/2018