09.05.2018

Beteiligungs- und Darlehensverluste aus Anteilen an Kapitalgesellschaften im Privatvermögen

Gerät eine Kapitalgesellschaft in die Krise, stellt sich die Frage, wie der Investor Verluste aus der Beteiligung oder aus einem an die Kapitalgesellschaft ausgegebenen Darlehen einkommensteuermindernd berücksichtigen kann. Die einschlägigen Grundsätze lassen sich wie folgt aufschlüsseln, wobei wir uns auf Anteile bzw. Darlehen beschränken, die nach dem 31.12.2008 erworben wurden.

Verluste aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften

Bei Investitionen im Privatvermögen kann der Steuerpflichtige Verluste erst geltend machen, wenn die Anteile veräußert werden. Zu unterscheiden ist, ob der Steuerpflichtige innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Veräußerung seiner Beteiligung zu einem Zeitpunkt zu mindestens 1% an der Kapitalgesellschaft beteiligt war oder nicht.


a) Beteiligung unter 1%: Soweit die Anschaffungskosten der Beteiligung den Verkaufserlös und die Veräußerungskosten übersteigen, entsteht ein Veräußerungsverlust. Dieser Verlust kann aber nur mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen (also Zinserträgen etc.) ausgeglichen werden. Da Einkünfte aus Kapitalvermögen grundsätzlich dem Abgeltungssteuersatz i.H. von 25% unterliegen, können sich die Verluste auch nur insoweit steuermindernd auswirken. Darüber hinaus dürfen Verluste aus Aktienveräußerungen nur mit Gewinnen aus der Veräußerung von Aktien ausgeglichen werden. Die nicht ausgeglichenen Verluste werden von (den künftigen) positiven Einkünften aus Kapitalvermögen im Rahmen des Verlustvortrags nach § 10d EStG abgezogen. Werden Aktien in einem Bankdepot gehalten, erfolgt grundsätzlich eine Verrechnung der Aktienveräußerungsverluste bzw. der negativen Einkünfte aus Kapitalanlagen mit entsprechenden Erträgen durch das Kreditinstitut. Der nicht ausgeglichene Verlust wird durch das Kreditinstitut in das Folgejahr vorgetragen (sog. „Verlustverrechnungstopf“). Will der Steuerpflichtige diesen Betrag im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung mit Aktienveräußerungsgewinnen aus einem Depot bei einer anderen Bank verrechnen, muss er sich von der erstgenannten Bank eine Bescheinigung über den Verlustverrechnungstopf ausstellen lassen.


b) Beteiligung mindestens 1%: Der Veräußerungsverlust zählt zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb und unterliegt dem Teileinkünfteverfahren. Der Verlust ist infolgedessen zu 60% abzugsfähig, kann aber – anders als im Fall einer Beteiligung von unter 1% – mit sämtlichen anderen Einkünften aus Gewerbebetrieb sowie aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden. Die nicht ausgeglichenen Verluste werden im Rahmen des einkommensteuerlichen Verlustrück- bzw. -vortrags berücksichtigt.

Darlehensverluste

Darlehensverluste entstehen einkommensteuerlich ebenfalls erst bei der Darlehensveräußerung, wobei der BFH den endgültigen Darlehensausfall infolge einer Insolvenz des Schuldners dem Verkauf der Forderung gleichstellt. Der Darlehensverlust ist nur mit anderen positiven Einkünften aus Kapitalvermögen – wie z.B. mit Aktiengewinnen oder Zinserträgen – verrechenbar; ein (innerhalb des betreffenden Jahres) nicht ausgeglichener (Rest-)Verlust kann zeitlich unbefristet vorgetragen werden (Verlustvortrag). Sofern die Darlehensverluste (etwa in Form von Veräußerungsverlusten von Anleihen) in einem bei einer Bank eingerichteten Wertpapierdepot auftreten, bedarf es für einen Verlustausgleich mit Gewinnen aus Kapitalvermögen aus einem Wertpapierdepot bei einer anderen Bank ebenfalls wieder einer Verlustbescheinigung und der Verarbeitung in der Einkommensteuererklärung.


Hinweis: Auf Ebene des Investors ist die verdeckte Einlage in die darlehensnehmende Kapitalgesellschaft einem verlustrealisierenden Verkauf gleichgestellt; an die Stelle des Veräußerungspreises tritt dann der Verkehrswert der Darlehensforderung (sog. gemeiner Wert). Auf Ebene des Darlehensnehmers kommt es in entsprechender Höhe zu einem Zugang im (steuerlichen) Eigenkapital und i.H. des nicht werthaltigen Teils zu einem – soweit keine Kompensation mit Verlusten möglich ist – steuerpflichtigen Ertrag.

Fazit

Bei der Berücksichtigung von Verlusten im Zusammenhang mit Beteiligungen an Kapitalgesellschaften kommt es insbesondere auf die Beteiligungshöhe des Gesellschafters an. Ein Veräußerungsverlust bei einer Beteiligung von mind. 1% führt zu einer Verlustausgleichsmöglichkeit mit allen Einkunftsarten; der Verlust wirkt sich aufgrund des Teileinkünfteverfahrens aber nur zu 60% aus. Bei einer Beteiligung von unter 1% ist eine Verlustverrechnung nur innerhalb der Einkünfte aus Kapitalvermögen möglich. Verluste aus Aktienveräußerungen sind nur mit Gewinnen aus derselben Art zu verrechnen. Auch Verluste aus privaten Gesellschafterdarlehen können nur mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden.


WP StB Dr. Dietrich Jacobs
Tim Sporkmann, Hamburg

Aus: PKF Nachrichten 05/2018