09.11.2017

Verluste aus Darlehen an Kapitalgesellschaften nicht mehr steuerlich verwertbar?

Für wen: Gesellschafter von Kapitalgesellschaften, die dieser ein Darlehen oder eine Bürgschaft gewähren.


Sachverhalt: Bei im Privatvermögen gehaltenen Beteiligungen (≥ 1%) hat der BFH mit Urteil vom 11.7.2017 (Az.: IX R 36/15) entschieden, dass der Ausfall von Darlehen, die ein Gesellschafter an eine Kapitalgesellschaft gegeben hat, grundsätzlich keine nachträglichen Anschaffungskosten der Gesellschaftsanteile darstellen. Gleiches gilt für Aufwendungen aus der Inanspruchnahme als Bürge.


Zentrale Voraussetzung für eine steuerlich begünstigende Behandlung war in der Vergangenheit, dass die Darlehensgewährung (bzw. Bürgschaft) durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist. Eine solche lag regelmäßig vor, wenn das Darlehen zu einem Zeitpunkt gewährt bzw. ein bestehendes Darlehen nicht abgezogen wurde, in dem die Rückzahlung des Darlehens angesichts der finanziellen Situation der Gesellschaft in einem solchen Maße gefährdet war, dass ein ordentlicher Kaufmann das Risiko einer Kreditgewährung zu denselben Bedingungen wie der Gesellschafter nicht mehr eingegangen wäre (sog. Krisendarlehen). Bei Ausfall des Darlehens bzw. der Bürgschaftsinanspruchnahme führte dies dann zu nachträglichen Anschaffungskosten des Gesellschafters für seine Anteile.


Die Folge war, dass sich der Gewinn aus einem späteren Verkauf der Beteiligung entsprechend minderte bzw. sich ein Veräußerungsverlust entsprechend erhöhte. Das Darlehen wurde insoweit steuerlich wie Eigenkapital behandelt (eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe).


Grundlage für die vorstehende Behandlung war das gesellschaftsrechtliche Eigenkapitalersatzrecht. Seit der Aufhebung desselben in 2008 werden Gesellschafterdarlehen insolvenzrechtlich grundsätzlich nachrangig bedient. Die Finanzverwaltung hat die bisherigen Grundsätze zunächst dennoch weiter angewandt und Darlehen oder Bürgschaften bei Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis als eigenkapitalersetzend angesehen (vgl. BMF-Schreiben vom 21.10.2010; BStBl. 2010 I S. 832).


Bis zum Tag der Veröffentlichung des Urteils am 27.9.2017 gewährt der BFH Vertrauensschutz in die bisherige Rechtslage, sofern der Gesellschafter eine eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe geleistet hat oder eine Finanzierungshilfe des Gesellschafters bis zu diesem Tag eigenkapitalersetzend geworden ist.


Empfehlung: Bei der künftigen Hingabe von Mitteln an die Gesellschaft sollten verstärkt auch Gestaltungen wie ein Verkauf der (wertlosen) Forderung geprüft werden, um den Verlust zumindest im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen nutzen zu können.


Mehr zum Thema: Vor wenigen Tagen hat sich auch die Finanzverwaltung zu Wort gemeldet und z.B. mit Verfügung der OFD Niedersachsen vom 9.10.2017 (Az.: S 2244-118-St 24) bekanntgegeben, dass Abstimmungen auf Ebene der obersten Finanzbehörden des Bundes und der Länder erforderlich sind, deren Ergebnisse abzuwarten sind.

 

Aus: PKF Nachrichten 11/2017