18.05.2017

Gewerbesteuerliche Hinzurechnung von Mietzinsen – Kürzung aktivierter Aufwendungen

Für wen: Gewerbetreibende, die mit gemieteten Anlagegütern Arbeiten durchführen oder Produkte herstellen.


Sachverhalt: Die Gewerbesteuer als Objektsteuer soll eigen- und fremdfinanzierte Erträge gleich behandeln. Der Nettoertrag von Miet- und Pachtzinsen (sog. Finanzierungsanteil) soll, weil im Betrieb erwirtschaftet, teilweise der Gewerbesteuer unterliegen. Durch ein Gesetzespaket (UntStRefG 2008) sind deshalb die Abzugsverbote für Finanzierungsentgelte in Form von Hinzurechnungen geschaffen worden. In der Praxis werden regelmäßig die gesamten auf den einschlägigen Konten der GuV verbuchten Beträge hinzugerechnet. Allerdings erfasst § 8 Nr. 1 GewStG nur Beträge, die tatsächlich den Gewinn gemindert haben. Der BFH hatte mit Urteil vom 30.4.2003 (Az.: I R 19/02) zur alten Rechtslage entschieden, dass in die Herstellungskosten (HK) von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens einbezogene und aktivierte Bauzeitzinsen den Gewinn weder im Erhebungszeitraum der Aktivierung noch in den nachfolgenden Erhebungszeiträumen, in denen gewinnmindernde Abschreibungen vorgenommen werden, als Dauerschuldentgelte hinzuzurechnen sind. Die Finanzverwaltung wendet die Grundsätze dieser Rechtsprechung für Hinzurechnungen ohne Einschränkungen auch für das Umlaufvermögen an (s. Ländererlass vom 2.7.2012, Rz. 2). Danach sind die am Bilanzstichtag in den HK für die aktivierten „Unfertigen Leistungen/Erzeugnisse“ enthaltenen Mieten nicht hinzuzurechnen. Es erfolgt auch keine Hinzurechnung in späteren Jahren. Die Hinzurechnung beschränkt sich daher auf Leistungen, die noch im selben Jahr abgerechnet werden.


Soweit die Aufwendungen zu den HK gehören, stellen sie Fertigungsgemeinkosten dar, die als Zuschlag zu den Fertigungslöhnen oder als Bestandteil besonderer Maschinenstundensätze in die Bewertung der Vorräte eingehen. Ist die genaue Ermittlung nur mit hohem, nicht vertretbaren Aufwand möglich, können die aktivierten Beträge auch im Schätzwege, wie im folgenden Beispiel dargestellt, ermittelt werden (Beträge in €):

 

Umsatzerlöse 10.000.000
Anteil HK (hier mit 75 % angenommen) 7.500.000
Bestandsveränderung (HK) 500.000
Gesamtleistung zu HK 8.000.000
Bestand (Unfertige Bauten/Erzeugnisse) 3.000.000
Anteil an Gesamtleistung (in %) 37,5
   
Mieten bewegliche Wirtschaftsgüter: 300.000
davon Herstellungskosten (hier 100 %) 300.000
aktivierter Anteil (in %) 37,5
Kürzungsbetrag 112.500
hinzurechnungspflichtig 187.500
   
Mieten unbewegliche Wirtschaftsgüter: 800.000
davon Herstellungskosten (hier 85 %) 680.000
aktivierter Anteil (in %) 37,5
Kürzungsbetrag 255.000
hinzurechnungspflichtig 545.000

 

Empfehlung: Bei der Erstellung der Gewerbesteuererklärung sollte die Kürzung der Miet- und Pachtzinsen um die aktivierten Beträge (ggf. im Schätzwege) beachtet werden.

 

Aus: PKF Nachrichten 05/2017